18.08.2017 - Susanna Wolf

Von der Neutralität zur Parteilichkeit – SystemikerInnen mischen sich ein

17. Wissenschaftliche Jahrestagung der DGSF am 12.-14. Oktober 2017 in München

Die jährliche Wissenschaftliche Jahrestagung der DGSF versteht sich traditionell als Marktplatz für systemische Entwicklungen und Ideen. In diesem Jahr findet die Tagung in München statt, über 600 TeilnehmerInnen werden erwartet und auch das IFW ist mit den Workshops von Dr. Andrea Hirmer und Michael Stanislawski bestens vertreten.

Geschichte, aktuelle Politik und systemische Haltung stehen im Fokus. Es wird der Frage nachgegangen, welche Haltung SystemikerInnen zu historischen und gesellschaftspolitischen Entwicklungen einnehmen.

Sie sollen sich mehr einmischen, ist die Meinung der Veranstalter, für die Tobias von der Recke spricht: „Es ist notwendig, viel stärker aktiv zu werden, wenn wir Phänomenen begegnen, die den eigenen ethischen Prinzipien und denen der DGSF widersprechen.

Rechtspopulismus, Klimazerstörung, unmenschliche Flüchtlingspolitik oder die wachsende Schere zwischen Arm und Reich sind dafür nur einige Beispiele. Unstrittig scheint uns, dass historisch-gesellschaftspolitische Entwicklungen Rahmenbedingungen schaffen, in denen sich alle KlientInnen und BeraterInnen bewegen. Mit diesen Rahmenbedingungen müssen wir uns aktiver auseinandersetzen und widersprechen damit einer in den letzten Jahren zunehmenden Individualisierung von Beratung und Therapie. Wir wünschen uns die Re-Politisierung unserer Arbeit.“

Unter den ReferentInnen sind große Namen aus der Soziologie und Gesellschaftspolitik wie Sabine Bode, Prof. Dr. Jochen Schweitzer und Alexander Korittko. In über hundert Workshops, Foren und Fachgruppen wird das Tagungs-Motto auf ganz konkrete Beispiele aus dem Berufsalltag bezogen:

 

12.10.2017 – 14.00 Uhr

Dr. Andra Hirmer: „Führungskräfte können nicht nicht politisch sein. Der Coach als Sparringpartner“

Die Komplexität der Aufgaben, die Herausforderungen und die geforderte Flexibilität für Führungskräfte steigen stetig an. Zeit zur Reflexion des eigenen Handelns bleibt dabei meist wenig. Wie Führungskräfte handeln und entscheiden, ist immer auch abhängig von ihren persönlichen sozialen und politischen Überzeugungen.

In diesem Workshop setzen wir uns damit auseinander, wie ein Raum geschaffen werden kann, in dem Führungskräfte über diese Grundhaltungen reflektieren und sie im Abgleich mit ihren Führungsleitlinien bewerten.

Hier wird die Bedeutung des Coach als Sparring-Partner zunehmend wichtig. Was bedeutet das für einen Coach? Wie begleite ich eine Führungskraft in schwierigen Fragen, die ethische Leitlinien betreffen? Wann ist meine eigene Meinung gefragt und wie äußere ich sie? Wie viel Widerspruch durch den Coach verträgt ein Coaching-Prozess? Wie verbinde ich systemische Methoden so mit dieser Coach-Haltung, dass ich glaubwürdig bleibe?

 

12.10.2017 – 16.00 Uhr

Michael Stanislawski: „Vergangenheitsbewältigung versus Konsequenzen aus der Vergangenheit“

Sie lernen, wie Klienten und Coachees aus dem Erlebten in der Vergangenheit, klare Konsequenzen für eine bessere Zukunft folgern können.

Mit dieser Art sich vom Vergangenen lösend, in die Zukunft wendend, können sowohl alte Probleme/Krisen zwischen Paaren, wie auch zwischen Mitarbeitern und Chefs, bis hin zur Klärung von politischen Konsequenzen erreicht werden. Also weg vom „Weil es früher so war, bin ich heute immer noch so und so …“  hin zum „…aus dem in meiner Kindheit erfahrenen Schicksal ziehe ich heute als Erwachsener klare Konsequenzen für ein selbst gestaltetes Leben“.

 

Wir freuen uns auf interessante Anregungen und Begegnungen.  Alle Informationen zur Tagung finden sich unter www.dgsf-tagung-2017.de.

 

Gut zu wissen: Die Systemische Therapie kommt ihrer Anerkennung als Krankenkassenleistung auch in Deutschland Schritt für Schritt näher. Seit 2013 läuft das Bewertungsverfahren im G-BA (Gemeinsamen Bundesausschuss), dem entscheidenden Gremium. Die Systemische Therapie ist international als Psychotherapieverfahren etabliert. Viele Konzepte und Methoden werden auch erfolgreich in Beratungen und Supervisionen für Teams, Organisationen und Unternehmen eingesetzt. Mit 7.000 Mitgliedern ist die DGSF (Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie) der größte Fachverband unserer Systemischen Praxis.