6.11.2017 - Susanna Wolf

Meine Trauer wird dich finden

Der hypnosystemische Ansatz für die Trauerarbeit von Roland Kachler

Robert Kachler zeigt bei seinem Gast-Workshop am 26./27. Januar 2018 theoretische Hintergründe seiner Hypnosystemischen Trauerbegleitung, stellt Imaginationen vor und die TeilnehmerInnen haben die Gelegenheit, das Vorgehen anhand kleiner Übungen zu lernen.

Nach dem Unfalltod seines 16jährigen Sohnes hat sich Roland Kachler intensiv mit Trauerarbeit beschäftigt und im eigenen tiefen Schmerz festgestellt, dass die herkömmlichen Überzeugungen vom Umgang mit Trauer zu einseitig auf das Loslassen fokussieren.

Kachler hat klar erkannt, dass Betroffene sich absolut nicht verstanden und unterstützt fühlen, wenn man sie  auffordert, sich von einem geliebten Verstorbenen endgültig zu verabschieden, um den Trauerprozess abzuschließen.

Als Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut, der lange Jahre selbst eine Beratungsstelle geleitet hat, entwickelte er praktische Modelle, mit deren Hilfe dieses einseitige Abschied nehmen überwunden werden konnte.

Bei seinem inzwischen vielfach bewährten Ansatz für die Trauerarbeit greift zum einen die systemische Grundidee: Wir können nicht nicht kommunizieren – auch und vor allem nicht mit den Verstorbenen. Eine aktive innere Beziehung mit ihnen zu führen, kann also durchaus eine Handlungsoption zum Gehenlassen sein.  

„Hinterbliebene sind oft in tiefer Loyalität mit dem Verstorbenen verbunden und hegen den innigen Wunsch, diese Liebe in einer veränderten Form weiterleben zu können.“ Schließlich kann man den nahe stehenden Menschen nicht einfach so aus dem Gedächtnis streichen. Denn der Tod beendet zwar das Leben eines Menschen, nicht aber die eigene Liebe zu ihm.

Diese Idee verknüpfte Kachler  – u.a. inspiriert durch die Arbeit von Gunther Schmidt – mit dem hypnotherapeutischen Gedanken, nämlich den Verlust mit inneren Erinnerungsbildern zu verarbeiten. Es hilft, wenn wir – z.B. in unseren Träumen – einen sicheren Ort für unseren geliebten Menschen schaffen, an dem er gut aufgehoben ist und wir ihm nahe sein können.

Ziel seiner Trauerarbeit ist es also, im Äußeren die Abwesenheit des geliebten Menschen zu realisieren und zu akzeptieren – und im Inneren eine neue Beziehung zu ihm zu finden, so dass der Verstorbene als eigener Ich-Zustand weiterhin präsent ist. So können wir die Trauer allmählich gehen lassen, weil wir wissen, dass uns der geliebte Mensch in unserer Liebe zu ihm nie verloren geht. 

Mit seinen Ratgebern für Betroffene und die Fachwelt landete Kachler ungeheure Treffer. Nach und nach formulierte er Hintergründe für verschiedene Workshops heraus, die wiederum in das Fachbuch Hypnosystemische Trauerbegleitung. Ein Leitfaden für die Praxis. (Heidelberg, 2014, 3. Auflage)  einfließen.

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